Weniger Naturkontakt belastet die psychische Gesundheit, warnen Expert*innen

Weniger Naturkontakt belastet die psychische Gesundheit, warnen Expert*innen

Eine zunehmende Entfremdung von der natürlichen Umwelt sorgt laut aktuellen wissenschaftlichen Analysen und psychologischen Beobachtungen dafür, dass sich Menschen im Freien immer unwohler fühlen und mentale Probleme zunehmen.

Expert*innen betonen, dass mit der wachsenden Verlagerung des Alltags in Städte und ins Digitale, zukünftige Generationen ein größeres Risiko für „Biophobie“, also eine Angst vor der Natur, entwickeln könnten.
Forschende der Universität Lund in Schweden bringen das Leben in Städten mit einer immer negativeren Einstellung zur Natur in Verbindung.

Wissenschaftler*innen weisen darauf hin, dass die Entfremdung von der Natur – ein Trend, der bereits seit den 1970er Jahren zu beobachten ist – das Umweltbewusstsein schwächt, weil Menschen das Gefühl der Verbundenheit zur natürlichen Welt verlieren.

Wie Natur den Geist, die Kultur und Gemeinschaft beeinflusst

Kontakt mit der Natur stärkt die psychische Gesundheit und hilft, Symptome von ADHS – einer neuroentwicklungsbedingten Störung mit Konzentrationsproblemen, Impulsivität und Hyperaktivität – zu lindern.
Aufenthalte im Freien fördern Aufmerksamkeit und emotionale Balance. So kann ein 90‑minütiger Spaziergang negative Gedankenspiralen verringern. Wer wöchentlich 120 Minuten in der Natur verbringt, senkt nachweislich den Blutdruck, reduziert Stress und stärkt das Immunsystem.

Psycholog*innen betonen, dass kulturelle Erzählungen und Medienbilder das Naturbild prägen können. Historisch galten Wälder in Mitteleuropa oft als gefährliche Orte.
Die Romantik, eine künstlerische und literarische Strömung des späten 18. Jahrhunderts in Europa, förderte eine neue Sehnsucht nach dem Wald, indem sie Gefühl, Fantasie und die überwältigende Schönheit von Landschaften in den Mittelpunkt stellte.

Demgegenüber zeigen digitale Welten heute oft eine verzerrte, „hyperreale“ Naturdarstellung.
Der Begriff, geprägt vom französischen Philosophen Jean Baudrillard, beschreibt Abbilder, die manchmal lebendiger wirken als die Realität selbst – sodass virtuelle Naturerlebnisse mitunter eindrucksvoller erscheinen als echte Zeit im Freien.

Verbindung für junge Generationen stärken

Umweltpädagog*innen beobachten, dass Kinder natürliche Dinge oft nicht mehr anfassen wollen und sie lieber aus der Distanz betrachten.
Expert*innen empfehlen, gerade bei Jüngeren durch spielerische und intensive Naturerfahrungen eine positive Beziehung zur Umwelt zu fördern. Direkter Kontakt hilft, die Verbindung zur Natur wiederherzustellen, statt sie zu vermeiden.

Aufenthalte im Grünen erleichtern zudem die Genesung, verkürzen Klinikaufenthalte und lindern Schmerzen. „Waldbaden“ – ein achtsames Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes, ursprünglich aus Japan – stärkt die Abwehrkräfte und senkt Stresslevel.

Auch wenn es etliche Belege für diese gesundheitlichen Effekte gibt, ist die Forschungslage zu Kindern und Jugendlichen bisher begrenzt und damit nur eingeschränkt verallgemeinerbar.
Dennoch gilt: Zugang zu grünen Flächen fördert bei Kindern nachweislich das psychische Wohlbefinden sowie die kognitive Entwicklung und reduziert psychische Belastungen bei Jugendlichen.